top of page

Sicherer Lebensraum

Aktualisiert: 16. Jan. 2024

Manchmal muss es schnell gehen. Wir waren gerade dabei, unsere große Flüchtlingswohnung mit 250 m² umzuplanen, um Mutter-Kind-Wohneinheiten einzubauen. Da bekam ich einen Anruf von Rob. Rob ist einer unserer Partner. Rob pendelt zwischen den Lagerhallen mit Hilfsgütern für Flüchtlinge in Lemberg und dem Frontgebiet, lieferte Lebensmittel, Kleidung und Hoffnung.




„Norbert, habt ihr in euerer Flüchtlingswohnung Platz für 15 Menschen aus dem Kriegsgebiet im Donbas und in der Südukraine? Einige von ihnen hat Emma aus dem Feuer geholt. Sie müssen hier raus.“ Rob war mit den Menschen schon unterwegs nach Lemberg. Für ein paar Tage hatte er in Lemberg einen Schlafplatz für sie gefunden. Aber sie brauchten eine längerfristige Unterkunft. Die Gruppe bestand aus älteren Ehepaaren, zwei alleinstehenden älteren Männern und Frauen mit Kindern.


Emma war eine mutige, kluge, unerschrockene Frau aus Barcelona. 32 Jahre alt. Sie hat in unserem Netzwerk eine wichtige Rolle gespielt. Sie hat sich in der grauen und roten Zone im Raum Bachmut, dort wo es extrem gefährlich ist, bewegt und als freiwillige, ehrenamtliche Helferin eineinhalb Jahre lang Menschen in bitterster Not geholfen, viele Menschen evakuiert und gerettet. Im September ist sie beim Verteilen von Trinkwasser und Lebensmitteln durch eine Antipanzermine ums Leben gekommen. Mit ihr schied auch Anthony Ignat, ein freiwilliger Helfer aus Kanada, aus dem Leben.

„Gut, Rob, komm mit ein paar Leuten morgen vorbei. Sie sollen sich anschauen, was wir haben, und dann entscheiden wir, ob die Wohnung passt.“


Ein Rundgang durch die Wohnung am nächsten Tag, eine kurze Erklärung zum geplanten Umbau und zu den Bedingungen, zu denen die Flüchtlinge einziehen können. Mir war wichtig, dass die neuen Bewohner, soweit sie dazu in der Lage wären, beim Umbau mithelfen und dass sie sich als „Wohngemeinschaft“ selbst organisieren.

Alle wollten kommen. Sicheren Lebensraum für zumindest ein Jahr, vielleicht auch länger. Nach Monaten wieder ein eigenes Bett. Ein eigenes Zimmer, bei dem man auch die Tür zumachen und sogar zusperren kann. Toiletten ohne Massenandrang, ein Bad, in dem man sich in Ruhe duschen und pflegen kann. Und zwei Küchen – auch wenn niemand vorhatte, Festtagsmenüs zuzubereiten: Das Essen aus Dosen und übergroßen Suppentöpfen würde ein Ende haben und es würde wieder möglich sein, das zuzubereiten, was man gerne isst, was man zu Hause, in den eigenen vier Wänden am liebsten gekocht hat. Ein Platz für die Kinder zum Spielen, Herumtollen und Lernen. Ein Platz für ein kleines Hobby und für die kleine, schwarze Katze. Ein Platz zum Leben.


Die Wohnung haben wir gemeinsam umgebaut. Viktor, unser erfahrener Mann für alle Bauarbeiten, hat die Arbeiten geleitet, die neuen Bewohner:Innen haben mit angepackt. Heute haben 16 Menschen in dieser Wohnung einen sicheren und menschenwürdigen Lebensraum. Und wenn ehrenamtliche Helfer unserer Partner auf dem Weg in die Kriegsgebiete oder von dort auf dem Weg nach Hause in ihre Heimatländer sind, werden auch sie mit offenen Armen in unserer Flüchtlingswohnung für ein paar Tage aufgenommen.

So helfen wir Menschen, ihr Leben nachhaltig zu verbessern. Sicherer Lebensraum. Dank Ihrer Spende. Dank Ihnen.

 
 
bottom of page