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Orijana - Frieden lernen

Aktualisiert: 21. Mai 2024

Blitzschnell ist keine Übertreibung. Das Video der Überwachungskamera zeigt einen ruhigen, friedlichen Morgen. 29. Dezember 2023. Eine Frau in rotem Mantel geht über das Gelände. Es ist 8 Uhr, 18 Minuten, 7 Sekunden. Sieben Sekunden später unvermittelt ein Blitz. Die Überwachungskamera ist geblendet, zeigt nur mehr weiß, eine Sekunde später milchiges Rot – Feuerschein durch die Staubwolken.  Einzelne Brandherde durch den Staubnebel. Allmählich legt sich der Staub.



Die Rakete wurde von der Luftverteidigung abgewehrt. Nur Teile der Rakete sind im Park vor der Schule eingeschlagen, Splitter der Rakete haben sich in eine Außenwand eingefressen. An einer Stelle ist das Dach durchgebrochen und die Verbindungen zwischen den Mauern und den Geschoßdecken sind beschädigt. Tauwasser und Regen dringen in das Gebäude. Fenster und Türen liegen zerborsten, aus den Laibungen gerissen in den Klassenzimmern, auf den Gängen.


1.200 Kinder besuchen das Lyzeum Orijana, eine technische Schule. Um 8.00 hätte der Unterricht begonnen. Der Garten vor der Schule, Klassen und Gänge wären voll Leben gewesen … wenn, ja wenn die ukrainischen Kirchen nach monatelangem Ringen sich nicht entschlossen hätten, die unbeweglichen kirchlichen Feste dem westlichen Kirchenjahr anzupassen. Und zu diesen Festen gehört Weihnachten. Und zu Weihnachten gehören die Weihnachtsferien. Deshalb waren an diesem Morgen des 29. Dezember 2023 Schule, Park und Straßen menschenleer.


„Frieden lernen“ nennen wir dieses Projekt unseres Vereins. Denn was nützt es den Ukrainer:Innen, wenn sie die Aggressoren aus dem Land treiben und den Krieg gewinnen, aber den Frieden verlieren. Damit das Land Frieden erleben kann, muss sich vieles ändern.

Der Krieg schürt den Hass. Alte Konfliktlinien zwischen den Völkern der Ukraine reißen auf. Autoritäre, rechtspopulistische Regierungen in Ungarn, in der Slowakei, zuvor auch in Polen nützen nationalistische Rülpser in ihren eignen Ländern und kochen damit ihr kleingeistiges Süppchen. Wie umgehen mit der Kultur und der Sprache der Moskowiter und der großen Volksgruppe der ethnischen Russen? Wie umgehen mit jenen Bürgern, die die Ukraine verraten und die moskowitische Soldateska unterstützt haben?


Und Frieden braucht auch die Stärkung der Demokratie, die Abkehr von Korruption auf allen Ebenen der Gesellschaft, mehr Einkommensgerechtigkeit, mehr Gleichheit und Solidarität.

In diesen Friedensprozess sind alle Menschen im Land einzubinden. Frieden kann man lernen. Man kann lernen, den anderen zuzuhören, ihre Denkweisen zu verstehen. Man kann lernen, gegenseitige Vorurteile abzubauen, man kann lernen, sich zu entschuldigen und Einsicht zu gewinnen in irrige Verhaltensweisen. Man kann unterscheiden lernen zwischen Patriotismus und krankhaftem Nationalismus … man kann und die ukrainische Gesellschaft wird müssen, wenn sie Frieden erleben will.


Frieden lernen. Das Lyzeum Orijana, in einem der dichtesten Wohnbezirke Lembergs gelegen, ist ein Schrei nach diesem Frieden, einer von vielen. 200 Schulen wurden von den Moskowitern in diesem Krieg schon zerstört, 1.600 beschädigt. Die Schulruinen sollen nicht zur Hauptbotschaft für die Erziehung der jungen Generation werden: Seht, was die Moskowiter angerichtet haben …


Dieser Tatsache wollen wir eine zweite Botschaft an die Seite stellen. Die unserer Solidarität. Deshalb werden wir die Renovierung von Orijana unterstützen und mit Ihrer Spende dazu beitragen, dass die Lehrer in Zukunft den Kindern sagen können: Unsere Schule wurde zerstört, aber Menschen im Westen haben schnell beim Wiederaubau geholfen.


Mit der Schulleitung und Lehrkräften bereiten wir die Sanierung von einigen Klassenzimmern vor. Helfen Sie mit, die Botschaft von Solidarität, das Bekenntnis zum Frieden in einer gerechteren Gesellschaft für Kinder und Lehrer:Innen erlebbar zu machen. Es ist unser Europa.

 
 
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